Aktueller Standort

Aktueller Standort seit 07. Mai 2011: Wedel und Hamburg, Deutschland

Donnerstag, 17. März 2011

"... so heiß ...

„... wie ein Vulkan und heut` verbrenn` ich mich daran.“ Der Liedtext von Tony Holiday kommt uns sofort in den Sinn, als wir die Beschreibung zum Parque Nacional Volcán Masaya im Reiseführer lesen. Unsere Neugier und unser Entdeckerdrang ist auch nach 8 Monaten noch ungebremst. Nichts wie hin also und einmal selbst nachschauen, was es mit dem Masaya auf sich hat.

Es ist mal wieder absolut perfektes Wetter. Die Sonne scheint von einem wolkenlosen, stahlblauen Himmel herab, als wir, aus Managua kommend, die Einfahrt zum Nationalpark nehmen. 100 Cordobas (30 Cordoba = ca. 1 €) kostet der Eintritt. Weitere 200 Cordobas bezahlen wir für eine geführte Tour, die am Nachmittag beginnt und weil wir im Park übernachten werden 100 Cordobas als Campinggebühr fällig. Von diesen insgesamt 400 Cordobas erhalten wir 200 Cordobas zurück, weil wir die Tour buchen. Das freut uns natürlich, obwohl der Rückerstattungsprozess uns etwas verwirrt. Wir fragen uns, warum wir überhaupt erstmal 400 Cordobas blechen, wenn wir die Hälfte davon sowieso wieder bekommen!? Der nun folgende, 30 Minuten dauernde Verwaltungsakt trägt nur unwesentlich zur Erhellung bei. Offensichtlich ist diese bürokratische Maßnahme aber unumgänglich und erst nach Ausfüllen eines Formulars, einer Quittung mit 2 Durchschlägen sowie 2 Telefongesprächen, dürfen wir das Geld in Empfang nehmen. Übrigens von dem Parkmitarbeiter, der uns ganz am Anfang 200 Cordobas Eintrittsgeld abgeknöpft hatte. So ist Nicaragua. Nicht immer verständlich, manchmal lustig, manchmal zum Haare raufen.
Wir fahren durch ausgedehnte Lavafelder über eine gut ausgebaute Straße. Immer höher schrauben wir uns den Vulkan hinauf und können es kaum erwarten, ihn aus der Nähe zu sehen. Oben, unmittelbar am Rand des rauchenden Kraters angekommen, parken wir, wie uns geheißen, rückwärts ein. Damit man schneller wieder loskommt, wenn´s gefährlich wird. Kaum steigen wir aus, sehen wir helle Rauschwaden hinter der Absperrmauer aufsteigen. Es riecht nach Schwefel. Wir treten näher an die Absperrung heran und blicken in den riesigen Krater des Vulkans Santiago, der hier so munter aktiv ist. 20, max 30 Minuten soll man sich bei starker Geruchsentwicklung hier oben aufhalten. Danach droht … keiner weiß es. Das Hinweisschild gibt dazu keine weiteren Auskünfte. Angenehm scheint es nicht zu sein, sich mit Schwefeldämpfen zu vergiften. Dieses Naturschauspiel ist natürlich nicht einzigartig auf der Welt. Einzigartig aber ist wohl, dass man in Nicaragua mit dem eigenen Wagen bis an den Kraterrand heranfahren kann. Bei unserer geführten Tour erfahren wir, dass es neben dem Santiago noch weitere Krater hier gibt, von denen wir uns einige aus der Nähe anschauen, um dann in einen Lavatunnel, der einst als Opferstätte der hier ansässigen Chorotegas diente und heute Heimat von Fledermäusen ist, hinabzusteigen. Die Spanier glaubten übrigens, dass der Schlund, aus dem am Abend das rote Leuchten der glühenden Lava zu sehen ist, ein Eingangstor zur Hölle darstellt. Schnell stellten sie ein Kreuz auf, um die bösen Dämonen gefangen zu halten. Ob es etwas genützt hat?

Ananas zum Nachtisch

Was ist denn das, was hier so zahlreich wächst? Ganze Felder stehen voll mit diesem komischen Gewächs, das rötlich in der Sonne schimmert. Zwischen den Blättern wächst was, dass sich bei näherer Betrachtung als Frucht erweist. Als wir näher an das riesige Feld heranfahren ahnen wir bereits, um was es sich handeln könnte: Wir sind mitten im Ananas-Anbaugebiet gelandet. So weit das Auge reicht wachsen die leckeren Früchte, reifen zu saftig-süßen pinas, wie sie hier heißen, heran, um dann auf den Märkten angeboten zu werden. Wir können es uns nicht verkneifen eine der Früchte zu kaufen und halten kurzerhand an einem Haus, eingebettet von Ananaspflanzen, an. Als wir unseren Wunsch äußern läuft sofort ein Junge los und holt uns eine reife Frucht direkt vom Feld. Wir fragen nochmal nach, ob sie auch wirklich schon reif ist und er versichert uns, dass das der Fall ist. So sehr wir uns über das Obst freuen, so sehr erschrecken uns die dreckigen Kleider der Familie, vor allem die schmutzigen Kinder.
Die Leute leben seit Monaten ohne Wasser. Der Hahn wurde zugedreht bzw. die Leitung ist marode, wie sie uns traurig berichten. Kaum zu glauben, denn ein paar Kilometer weiter befindet sich eine kleine Naturreserve, die unser eigentliches Ziel an diesem Tag bildet (Reserva Natural El Chocoyero-El Brujo). Dort gibt es einen Wasserfall, der Trinkwasser für die umliegenden Gemeinden liefert. Da auch unser Trinkwasser bald zur Neige geht können wir selbst nichts entbehren. Immerhin findet sich eine Packung Feuchttücher die wir da lassen, damit wenigstens die Kinder nicht mehr mit einem schmutzverkrusteten Gesicht herumlaufen müssen.
Der Weg führt weiter durch die Ananas-Plantagen. Menschen, die uns in Nicaragua begegnen grüßen mit Adios (auf Wiedersehen), was uns anfangs wundert. Aber hier ist man der Meinung, dass man bei zufälligen Begegnungen, die die Menschen nur aneinander vorbeiführen, man also nicht stehenbleibt, um ein paar Worte zu wechseln, ein auf Wiedersehen genauso angebracht ist wie ein Hallo. Auch was dran!
Nach den vielen Stunden, die wir beinahe täglich im Auto unterwegs sind, freuen wir uns auf ein wenig Bewegung. Die Wanderschuhe werden aus den Kisten geholt, die Rucksäcke mit reichlich Wasser und Proviant gefüllt. In freudiger Erwartung entrichten wir die Parkgebühr und stratzen schon mal los als uns die freundliche Rezeptionistin zurückpfeift. Halt Stopp, da war doch was. Na, klar der obligatorische Guide fehlt. Das ist so eine lateinamerikanische Eigenart, die wohl eine Mischung aus Arbeitsbeschaffungs- und Schutzmaßnahme (fehlende Schilder, gefährliche Tiere, Unfälle, Überfälle) bildet. Kein Parkbesuch, keine Wanderung ohne Führer. Es kostet uns einige Überredungskunst, sowohl die Rezeptionistin als auch den Guide, der natürlich sein Einkommen flöten gehen sieht, zu überzeugen, dass wir den Weg schon finden werden. Am Ende klappt´s. Wir bezahlen den Guide und während er den Nachmittag frei macht betätigen wir uns zur Abwechslung endlich mal wieder sportlich.
Angeblich der komfortabelste Campground in Nica-Land
Durch den Nationalpark verlaufen drei Wanderwege unterschiedlicher Länge (1,2 km, 1,5 km und 3,5 km), die zu besagtem Wasserfall führen. Wir entscheiden uns für den längsten Weg und sind nicht wenig erstaunt, als wir nach einer halben Stunde wieder am Parkeingang eintreffen. Der Guide, der uns vor unserem Abmarsch noch eine kurze Übersicht zu den verschiedenen Wegen gab, hatte sich mit den Distanzen wohl etwas vertan (was im allgemeinen recht häufig vorkommt). Am Ende des Nachmittags haben wir alle drei Wege erfolgreich bewältigt. Wir haben Howler Monkeys und Congo Monkeys gesehen und wären zu gerne auch auf eine lebende Variante der im Visitor Center ausgestellten Schlangen gestoßen. Die Reptilien aber hielten es wohl für besser uns aus dem Weg zu gehen. Übrigens soll sich hier in El Chocoyero der komfortabelste Campingplatz der Nation befinden. Wir sind natürlich sehr gespannt darauf. Es wäre der erste Campground in Nicaragua, den wir finden. Unsere Enttäuschung über diesen sog. Campingplatz hält sich in Grenzen. Wir hatten nicht wirklich etwas anderes erwartet als das, was wir schließlich vorfinden und mit einem Lächeln zur Kenntnis nehmen. Spontan verzichten wir darauf, uns andere sog. Campgrounds anzusehen.
Am Ende unseres Rundgangs haben wir noch Zeit über, bevor das große Naturspektakel, wofür der Park bekannt ist, anzuschauen. Wir hocken geschlagene 2 Stunden vor den Löchern einer hohen Felswand, in die gegen 16.30 Uhr Hunderte von Chocoyeros (grüner Pazifikpapagei) zurückkehren sollen, um hier die Nacht zu verbringen. Die lauten Vögel können wir zwar hören, einige sehen, doch nur nur wenige wollen ihr Nest aufsuchen. Tapfer harren wir aus, doch irgendwann ist unser Hungergefühl größer als der Wunsch, den Heimflug der Papageien zu beobachten, weshalb wir uns entschließen zum Wagen zurück zu gehen. Zum Abendessen braten wir Chuletas, die lateinamerikanische Variante des Kasslers und zum Nachtisch gibt es die beste Ananas, die wir jemals in unserem Leben gegessen haben.
Last but not least treffen wir hier rein zufällig den EU-Botschafter für Nicaragua und plaudern ein wenig miteinander. Da die EU auch in den Nachbarländern Costa Rica und Panama Vertretungen unterhält wandert mal eben eine Visitenkarte mehr zu uns, mit dem Hinweis: „Falls was sein sollte, gerne melden!“. Ein sehr netter Mensch, der Herr Botschafter.

Freitag, 11. März 2011

Leon

Leon, 1610 vom Vulkan Momotombo zerstört und an anderer Stelle neu aufgebaut, zeigt sich heute als Kolonialstädtchen mit immerhin fast 140.000 Einwohnern. Die Gegend hier gilt als die heißeste in Nicaragua. Wie gut, dass der Strand (Las Penitas) nur 20 Kilometer entfernt ist, weshalb wir uns entschließen hier Quartier zu beziehen. Wir haben Glück, können ein Hotel sparen und lassen uns auf einem privaten Grundstück nieder. Neben uns wird es von den Tieren der Nachbarschaft aufgesucht. Wir zählen Hühner, Hunde, Katzen, Schweine, im Bad wohnen Frösche. Auch die Nachbarskinder tauchen auf, um ihre Nasen neugierig ins Auto zu stecken. Hätte das Grundstück keinen Zaun bekämen wir wohl auch Kuhbesuch. Das ländliche Nicaragua eben, inklusive Meerblick – vom Dachzelt aus!


Nicaraguas Pazifikküste gilt als Toprevier für Surfer und Las Penitas ist ein sog. hot spot. Allzuviele Wagemutige kennen die Wellen in diesen Tagen allerdings nicht. Wir beobachten ganze 3, die sich im Wellenreiten versuchen, während sich die Masse mit den, noch immer überwältigenden, Wellen in Strandnähe amüsiert. Der weitläufige, mehrere Kilometer lange Sandstrand lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein und bietet obendrein atemberaubende Sonnenuntergänge.


Das städtische Nicaragua erleben wir in Leon. Berühmtester Sohn der „kulturell reichsten Metropole in Nica-land, wie es im Reiseführer heißt, ist wohl der Poet Rubén Darío. Ihm ist ein ganzes Museum gewidmet. Innerhalb der City begegnet man ihm immer wieder in Form von Statuen; oft diente er auch als Namensgeber für Büchereien, Apotheken oder sonstiges.

Neben den zahlreichen Kirchen (geschätzt irgendwo zwischen 20 und 30) ist vor allem die Kathedrale an der Plaza Mayor sehenswert. Aber auch die Restaurant- und Kneipenszene sowie die Einkaufsmöglichkeiten sind sehr gut.

Leon zu besuchen bedeutet auch, sich mit dem nicaraguanischen Straßensystem vertraut zu machen. Das von den Spaniern mitgebrachte und eingeführte Schachbrettsystem teilt die Stadt in sogenannte cuadras (Quadranten oder Blöcke) ein. Die Orientierung fällt damit relativ leicht, wird allerdings dadurch erschwert, dass häufig nur große bis größere Straßenzüge mit Schildern gekennzeichnet sind und man sich in Leon dafür entschieden hat, zusätzlich mit Himmelsrichtungen zu agieren: in Leon laufen die Avenida Central und die Calle Central Rubén Darío zu einer Intersektion an der nordöstlichen Ecke des Zentralparks zusammen. Hier bilden sie die nordöstliche, nordwestliche, südöstliche und südwestliche cuadra (Quadrant oder Block). Straßen, die parallel zur Straße Calle Central Rubén Darío verlaufen erhalten den Zusatz NO für Nordost, sofern sie nördlich davon verlaufen und SO, wenn sie südlich dazu liegen (z.B. Calle 1 NO, Calle 2 SO bedeutet nichts anderes, als dass es sich um die 1. Straße nordöstlich zur Calle Central Rubén Darío handelt).
Alle Straßen, die hingegen parallel zur Avenida Central verlaufen werden mit Av 1 SW (1. Straße südwestlich von der Straße Central) oder Av 1 SW (1. Straße südwestlich von der Straße Central). Dieses Muster zieht sich durch das gesamte Stadtgebiert. Alles klar?
Da es an Straßenschildern mangelt zählen wir immer fleißig mit, um unsere Ziele innerhalb der Stadt zu erreichen.



Da wir seit unseren Einkäufen in Selva Negra und El Castillo fleißig Käse und Schokolade gefuttert haben, ist im Kühlschrank gerade wieder soviel Platz, dass wir es uns nicht nehmen lassen, in einem Feinkostladen echte italienische Salami zu kaufen. Wie gut, dass Paz y Pan französisches Brot bereit hält und auch noch etwas vom honduranischen Wein, den wir bei Jörg in El Rosario erstanden haben, übrig ist. Gewusst wie und wo, lässt es sich gut in Lateinamerika leben!





Ein bisschen Schwarzwald


Unsere Fahrt durch die Naturreserve Miraflor führt uns schließlich nach San Rafael del Norte. Das einzig bewohnbare Hotel im Ort, welches über zwei Zimmer verfügt (ein Doppel-, ein Einzelzimmer) ist ausgebucht. Nach einigen Verhandlungen dürfen wir schließlich den Hotelparkplatz benutzen. Der befindet sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite und ist zum Glück nicht einsehbar, so dass unsere „Hausdusche“ gefahrlos zum Einsatz kommen kann. Die beiden Attraktionen des Ortes sowie der Ort selbst mit seinen vielen vierbeinigen Verkehrsteilnehmern sind am folgenden Tag schnell besucht: die im Jahre 2000 zum Nationalen Kunstmonument erklärte Kirche Templo Parroquial de San Rafel Arcángel sowie das in einem baufälligen Gebäude untergebrachte Sandino-Museum. Während die Kirche jederzeit besucht werden kann öffnet Kurator Tomás die Museumspforten nur nach Vorankündigung. Wir haben Glück, denn Tomás erwartet eine Gruppe Interessierter, so dass wir ebenfalls den Rundgang durch das kleine Museum machen können.

Auf unserer Weiterfahrt erreichen wir Selva Negra. Die Kaffeefinca, in den 1970er Jahren von Deutschen gekauft und zu einem Luxus-Berg-Ressort ausgebaut, bietet selbstgemachten Käse an. Dieser ist selten in guter Qualität zu bekommen, weshalb wir hier gerne einen Stopp einlegen und uns mit Camembert sowie Bergkäse eindecken. Das Ressort erinnert tatsächlich ein klein wenig an den deutschen Schwarzwald und macht seiner spanischen Übersetzung Selva Negra alle Ehre.
Kurz vor Sonnenuntergang parkieren wir bei El Castillo in Matagalpa und genießen gerade noch einen Blick auf die Stadt, bevor die Sonne hinter den Bergen verschwindet. Nachtwächter Ernesto schaut noch kurz vorbei, um einen kleinen Plausch zu halten. Wir verabschieden ihn mit einer Dose Cola und etwas zum Knabbern, so dass er ganz zufrieden seine Runde dreht, dicht gefolgt von Wachhund Vicki.

El Castillo ist der Name einer Schokoladenmanufaktur. Aus organischen Kakaobohnen wird hier in Handarbeit leckere Schokolade hergestellt. Wir lassen uns auf einer Hausführung genau erklären, wie das geht und füllen natürlich auch gleich noch unsere Vorräte mit diversen Tafeln auf. In unserem kleinen Kühlschrank müssen wir mächtig zusammen stauen, damit ein Kilo Käse und ein Kilo Schokli noch hineinpassen.

Montag, 7. März 2011

Neue Diashow "Blumiges" ...

... links unter "Wissenswertes"

Viel Spaß :-)

Im Elfenwald

Es ist, als ob gleich Gnome, Zauberer und Elfen unseren Weg kreuzen. Märchenhaft sieht es aus, wild und schön in der Naturreserve Miraflor, einem fast unberührten Bergnebelwald in Nicaragua. Die Bäume präsentieren sich voller Bromelien und Orchideen, eingehüllt in lange Bärte von Spanisch Moos, das bis zu einem Meter lang von den Ästen im Wind weht.

Der Frühnebel lichtet sich gerade und taucht die Umgebung in ein diffuses Licht, als wir uns auf den langen, beschwerlichen Weg von Coyolito nach San Rafael del Norte machen. Nur im Schritttempo kommen wir voran, quälen uns langsam über die holperige Piste. Dennoch fahren hier Busse, die ihre Ankunft durch lautes Hupen bereits lange vorher ankündigen.

Wir passieren Orte wie La Perla, Cebollal und Sontule, die eigentlich keine wirklichen Orte sind, da sie nur jeweils aus einer Handvoll Häuser bestehen. Verstohlen blicken uns die Bewohner nach, als wir vorbeifahren. Etwas argwöhnisch sind sie wohl; oft kommt sicher niemand vorbei. Strom scheint es zu geben, wie die Masten verraten, fließend Wasser nicht; der Herd wird mit Holz befeuert, das sicher zum kernigen Geschmack der gebackenen Mais-Tortillas beiträgt. Der Geruch nach den herzhaften Fladen hängt fast überall zur Mittagszeit in der Luft. Wir halten an einer Finca, wo man uns lecker bewirtet, schlendern durch den schönen tropischen Garten, in dem die Hausherrin Gemüse und Blumen zieht - "alles organisch", wie sie betont, genau wie der Kaffee und die Bananen, die hier wachsen. Um das Einkommen aufzubessern werden Zimmer vermietet, Familienanschluss garantiert.
Hier gibt es keine Schilder oder Kilometerangaben: „Wie weit ist es noch bis Yalí?“, fragen wir einen Reiter, der uns entgegenkommt. „3 Stunden“, lautet die knappe Antwort.


Sonntag, 6. März 2011

Beautiful Eyes

Unsere letzte Nacht in Honduras verbringen wir in der Casa Colibri in Yuscarán, einem kleinen verschlafenen Kolonialstädtchen rund 70 Kilometer von der nicaraguanischen Grenze entfernt. Als wir uns dieser am nächsten Tag nähern passieren wir Polizeikontrolle Nummer 5 und 6 auf honduranischem Boden. Am ersten Kontrollposten nimmt man uns nur aus dem Augenwinkel war. Wir werden durchgewunken. Bei Kontrolle Nummer 6 geht es etwas mehr zur Sache, denn der Polizist möchte sowohl Freds als auch Rebeccas Papiere sehen. Wir reichen unsere laminierten Farbkopien durchs Fenster, die eifrig vom Ordnungshüter studiert werden. Nach intensiver Prüfung der Vorder-und Rückseiten gibt der Polizist sie Fred mit den Worten „She has beautiful eyes!“ zurück. Dabei schaut er Rebecca lächelnd an und zwinkert Fred anerkennend zu. 

Abschluss der Autoversicherung

Kurz danach fahren wir auf Las Manos zu. Der 6. Grenzübergang auf unserer Reise steht an. Ehe wir uns versehen ist auch schon alles erledigt – inklusiv der verlangten Autoversicherung. Nach einer Stunde heißt es für uns: Bienvenidos en Nicaragua!

Willkommen in Nica-Land!
Die Straße, auf der wir uns unserem ersten Ziel, dem Dörfchen Sunis in der Nähe von Somoto nähern, ist ziemlich verlassen. Kaum ein Auto fährt auf der gut asphaltierten Straße, die sogar über Fahrbahnbegrenzungsmarkierungen verfügt. Die hatten wir das letzte Mal in den USA gesehen. „Warum den guten Belag nicht für ein Fußballspiel nutzen?“, haben sich ein paar Jungs gedacht und kicken sich den Ball auf dem glatten Untergrund, der einzige weit und breit, munter zu. Nicaraguas Straßen sind in einem guten Zustand, was wir Vielfahrer natürlich sehr begrüßen. Trotzdem ist erstaunlich wenig los auf der Panamericana, die wir hier mal wieder kreuzen. Es gibt weniger KFZ als anderswo auf unserem Weg. Dafür sehen wir mehr natürliche Pferdestärken verkehren. Wer kein Auto hat reitet eben zum Einkaufen.

Die Tiere warten geduldig, bis ihre Besitzer vom Einkaufen zurück kommen
„Bessere Straßen, gleiches Müllproblem“, schießt es uns durch den Kopf, als wir unsere Blicke in die Landschaft schweifen lassen. Die Straßenränder liegen voller Plastiak. Während früher Abfall quasi aus kompostierbaren Materialien bestand, hat König Kunststoff in alle Winkel Einzug gehalten. Wie praktisch die Plastikflaschen und Tüten doch sind. Sie lassen sich so vielfältig (wieder-)verwenden und halten mehr aus als eine ausgehöhlte Kokosnuss, die als Trinkgefäß dient(e) oder ein paar Bananenblätter, die man als Teller benutzt(e). Gewohnt, diese Art Müll an Ort und Stelle zu entsorgen, fällt es den Latinos schwer von dieser Gewohnheit zu lassen. Versuche, zur Müllvermeidung zu erziehen, scheitern oftmals daran, dass es keine Mülleimer gibt, keine Müllabfuhr vorbeikommt und es sowieso viel einfacher ist, das ganze Zeug einfach im Garten zu verbrennen, zu vergraben oder auf eine wilde Müllkippe zu schütten (die wir übrigens in Ermangelung anderer Gelegenheiten manchmal auch nutzen müssen).

In Sunis, einem kleinen, verstaubten Dörfchen, das sich mit sog. Community Tourismus erste infrastrukturelle Einrichtungen (Strom gibt es seit kurzem, eine Wasserleitung befindet sich in Bau) verdient hat, dürfen wir direkt am Rio Coco parken. Nur das Schnauben der Pferde, die hier – übrigens auch nachts – unermüdlich verdorrte Grashalme aus der trockenen Erde rupfen ist zu hören, als wir uns unter einem grenzenlosen, klaren Sternenhimmel schlafen legen. Zum Frühstück am kommenden Morgen naht neuer Besuch. Eine Kuhherde trottet gemächlich an uns vorbei (mitunter ähneln die Stellplätze Ferien auf dem Bauernhof. Hühner und Hunde gibt’s sowieso zuhauf, Esel sind nicht selten, mitunter quiekt es im Gebüsch und Familie Schwein kündigt sich an). Ehe wir uns versehen tauchen auch schon die ersten Ausflügler an unserem Stellplatz auf, um den nahegelegenen Canyon per Boot zu erkunden. Genau das haben auch wir vor, allerdings haben wir uns für die eine andere Variante entscheiden.

Fausto, unseren Guide, treffen wir am Besucherzentrum. Um dorthin zu gelangen steht mal wieder eine Flussdurchquerung an, die wir bravourös meistern. Dabei werden wir sehr genau beobachtet. Es ist nämlich Waschtag. Gleich kiloweise wird die Wäsche von den Dorffrauen, die knietief im Fluss stehen, geschrubbt.

Am Besuchercenter präparieren wir uns mit festem Schuhwerk, einer Wasserflasche und trockener Kleidung zum Wechseln. Zunächst laufen wir durch die Umgebung von Sunis. Der Spaziergang verläuft eine halbe Stunde auf ebenem Grund, bevor es abwärts geht, wo wir uns allmählich dem Ursprung des Rio Coco, der hier den Canyon de Somoto geformt hat, nähern. Wir tauchen ein in die Welt der Schlucht, laufen am steinigen Flussufer entlang und die uns umgebenden Felswände werden immer höher und steiler. Als die Felsbrocken zu groß werden beginnen wir sie kletternderweise zu erklimmen. Vorneweg stets Fausto, der den Weg bestens kennt und genau weiß, wohin er treten muss bzw. kann, während wir immer wieder aus- und abrutschen, uns festhalten müssen, was an den glatt geschliffenen Felsen gar nicht so leicht ist. Da, wo die Felsen noch größer sind und wir sie auch nicht mehr kletternd meistern können, müssen wir ins Flussbett ausweichen. Teilweise stehen bis zu den Knien im kalten Wasser. Langsam waten wir voran, denn das Flussbett ist steinig, die Steine sind glitschig und bieten keinen Halt. Trotzdem das Wasser klar ist können wir den Untergrund nicht erkennen, wissen nicht, wohin wir treten, so dass wir auch hier immer wieder ins Straucheln geraten. Wir kreuzen den Fluss mal von rechts nach links, mal von links nach rechts. Nach ungefähr einer guten Stunde erreichen wir eine Stelle, von der aus wir uns nur noch schwimmend fortbewegen können. Also komplett rein ins kalte Nass und lospaddeln. Dank der Schwimmwesten ist es kein Problem sich auch mal ein paar Meter treiben zu lassen und das tolle Panorama zu genießen. Bis zu 160m hoch ragen die steilen Felswände um uns herauf auf. Die schmalste Stelle soll nur etwa 10 m messen und wird hier nur für ca. eine Stunde täglich von der Sonne beschienen. Das Wasser schimmert an manchen Stellen grün, Felsen hängen über und kleine Stromschnellen zwingen uns aus dem Wasser heraus, bevor wir wieder eintauchen müssen, um den Weg fortsetzen zu können. Als wir schon ziemlich ausgekühlt sind gelangen wir an eine 2 Meter hohe Stufe im Flussbett. Das Wasser bricht sich gurgelnd bahn, um unter uns einen schäumenden Strudel zu bilden. Bange schauen wir in die Tiefe, die nur aus weißem, sprudelnden Wasser besteht. Es gibt keine andere Möglichkeit als zu springen …

Nach diesem waghalsigen Manöver lassen wir uns von der Strömung weiter treiben. Inzwischen zittern wir, so sehr sind wir bereits ausgekühlt. Als wir nach 2 Stunden Canyon das Ruderboot erreichen, mit dem wir die letzten 500 Meter zurücklegen, sind wir froh über trockene Klamotten, die wir rasch anziehen, um uns anschließend in der Sonne wieder aufzuwärmen.

Das Abenteuer Canyon hat uns einige Kraft gekostet, so dass wir herzhaft Mittag halten, bevor wir nach Estelí und weiter in die Reserva Natural Miraflor weiterfahren.

In Estelí ziehen wir zunächst Geld am Bankautomaten der BAC. Dort treffen wir Dixon und Mario, die beiden Wächter.Während Dixon in dicken Zigarrenqualm eingehüllt ist (5 der estelischen Spezialität verpuffen so täglich und vertreiben ihm die Zeit seines langweiligen Jobs), erklärt uns Mario, dass man in Nicaragua sowohl mit US-Dollar als auch mit nicaraguanischen Cordobas bezahlen kann. Danach geht´s zum Supermarkt, wo wir uns mit Lebensmitteln eindecken.

Um in die Reserva hineinzufahren benötigen wir 1,5 Stunden für 13 Kilometer Schotterpiste vom allerfeinsten. Es dämmert bereits, als wir das Grundstück von Dora Iglesia erreichen, um dort unsere Nacht zu verbringen. Fast hätten wir es nicht erwartet sie überhaupt noch zu erreichen, zu einsam und abgeschieden liegt der kleine Ort Coyolito, der eigentlich gar kein richtiger Ort ist, sondern nur eine Ansammlung von ein paar Häusern. Froh, den Platz doch noch gefunden zu haben, „installieren“ wir uns, wie es hier so schön heißt. Das Zelt wird aufgeklappt, die Vorhänge zugezogen und als sich Rebecca dem Kühlschrank nähert, um für das Abendbrot zu decken, stockt ihr das Herz für einen Moment: zwei dunkle Knopfaugen starren sie an!

Auf dem Polster der Bank hockt ein Frosch, der uns wohl am Rio Coco ins Auto gehüpft sein muss. Schnell fangen wir ihn ein, um ihn nach draußen zu bugsieren. Na der wird sich wundern, wo er gelandet ist - so wie wir manchmal auch!