Aktueller Standort

Aktueller Standort seit 07. Mai 2011: Wedel und Hamburg, Deutschland

Freitag, 11. März 2011

Ein bisschen Schwarzwald


Unsere Fahrt durch die Naturreserve Miraflor führt uns schließlich nach San Rafael del Norte. Das einzig bewohnbare Hotel im Ort, welches über zwei Zimmer verfügt (ein Doppel-, ein Einzelzimmer) ist ausgebucht. Nach einigen Verhandlungen dürfen wir schließlich den Hotelparkplatz benutzen. Der befindet sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite und ist zum Glück nicht einsehbar, so dass unsere „Hausdusche“ gefahrlos zum Einsatz kommen kann. Die beiden Attraktionen des Ortes sowie der Ort selbst mit seinen vielen vierbeinigen Verkehrsteilnehmern sind am folgenden Tag schnell besucht: die im Jahre 2000 zum Nationalen Kunstmonument erklärte Kirche Templo Parroquial de San Rafel Arcángel sowie das in einem baufälligen Gebäude untergebrachte Sandino-Museum. Während die Kirche jederzeit besucht werden kann öffnet Kurator Tomás die Museumspforten nur nach Vorankündigung. Wir haben Glück, denn Tomás erwartet eine Gruppe Interessierter, so dass wir ebenfalls den Rundgang durch das kleine Museum machen können.

Auf unserer Weiterfahrt erreichen wir Selva Negra. Die Kaffeefinca, in den 1970er Jahren von Deutschen gekauft und zu einem Luxus-Berg-Ressort ausgebaut, bietet selbstgemachten Käse an. Dieser ist selten in guter Qualität zu bekommen, weshalb wir hier gerne einen Stopp einlegen und uns mit Camembert sowie Bergkäse eindecken. Das Ressort erinnert tatsächlich ein klein wenig an den deutschen Schwarzwald und macht seiner spanischen Übersetzung Selva Negra alle Ehre.
Kurz vor Sonnenuntergang parkieren wir bei El Castillo in Matagalpa und genießen gerade noch einen Blick auf die Stadt, bevor die Sonne hinter den Bergen verschwindet. Nachtwächter Ernesto schaut noch kurz vorbei, um einen kleinen Plausch zu halten. Wir verabschieden ihn mit einer Dose Cola und etwas zum Knabbern, so dass er ganz zufrieden seine Runde dreht, dicht gefolgt von Wachhund Vicki.

El Castillo ist der Name einer Schokoladenmanufaktur. Aus organischen Kakaobohnen wird hier in Handarbeit leckere Schokolade hergestellt. Wir lassen uns auf einer Hausführung genau erklären, wie das geht und füllen natürlich auch gleich noch unsere Vorräte mit diversen Tafeln auf. In unserem kleinen Kühlschrank müssen wir mächtig zusammen stauen, damit ein Kilo Käse und ein Kilo Schokli noch hineinpassen.

Montag, 7. März 2011

Neue Diashow "Blumiges" ...

... links unter "Wissenswertes"

Viel Spaß :-)

Im Elfenwald

Es ist, als ob gleich Gnome, Zauberer und Elfen unseren Weg kreuzen. Märchenhaft sieht es aus, wild und schön in der Naturreserve Miraflor, einem fast unberührten Bergnebelwald in Nicaragua. Die Bäume präsentieren sich voller Bromelien und Orchideen, eingehüllt in lange Bärte von Spanisch Moos, das bis zu einem Meter lang von den Ästen im Wind weht.

Der Frühnebel lichtet sich gerade und taucht die Umgebung in ein diffuses Licht, als wir uns auf den langen, beschwerlichen Weg von Coyolito nach San Rafael del Norte machen. Nur im Schritttempo kommen wir voran, quälen uns langsam über die holperige Piste. Dennoch fahren hier Busse, die ihre Ankunft durch lautes Hupen bereits lange vorher ankündigen.

Wir passieren Orte wie La Perla, Cebollal und Sontule, die eigentlich keine wirklichen Orte sind, da sie nur jeweils aus einer Handvoll Häuser bestehen. Verstohlen blicken uns die Bewohner nach, als wir vorbeifahren. Etwas argwöhnisch sind sie wohl; oft kommt sicher niemand vorbei. Strom scheint es zu geben, wie die Masten verraten, fließend Wasser nicht; der Herd wird mit Holz befeuert, das sicher zum kernigen Geschmack der gebackenen Mais-Tortillas beiträgt. Der Geruch nach den herzhaften Fladen hängt fast überall zur Mittagszeit in der Luft. Wir halten an einer Finca, wo man uns lecker bewirtet, schlendern durch den schönen tropischen Garten, in dem die Hausherrin Gemüse und Blumen zieht - "alles organisch", wie sie betont, genau wie der Kaffee und die Bananen, die hier wachsen. Um das Einkommen aufzubessern werden Zimmer vermietet, Familienanschluss garantiert.
Hier gibt es keine Schilder oder Kilometerangaben: „Wie weit ist es noch bis Yalí?“, fragen wir einen Reiter, der uns entgegenkommt. „3 Stunden“, lautet die knappe Antwort.


Sonntag, 6. März 2011

Beautiful Eyes

Unsere letzte Nacht in Honduras verbringen wir in der Casa Colibri in Yuscarán, einem kleinen verschlafenen Kolonialstädtchen rund 70 Kilometer von der nicaraguanischen Grenze entfernt. Als wir uns dieser am nächsten Tag nähern passieren wir Polizeikontrolle Nummer 5 und 6 auf honduranischem Boden. Am ersten Kontrollposten nimmt man uns nur aus dem Augenwinkel war. Wir werden durchgewunken. Bei Kontrolle Nummer 6 geht es etwas mehr zur Sache, denn der Polizist möchte sowohl Freds als auch Rebeccas Papiere sehen. Wir reichen unsere laminierten Farbkopien durchs Fenster, die eifrig vom Ordnungshüter studiert werden. Nach intensiver Prüfung der Vorder-und Rückseiten gibt der Polizist sie Fred mit den Worten „She has beautiful eyes!“ zurück. Dabei schaut er Rebecca lächelnd an und zwinkert Fred anerkennend zu. 

Abschluss der Autoversicherung

Kurz danach fahren wir auf Las Manos zu. Der 6. Grenzübergang auf unserer Reise steht an. Ehe wir uns versehen ist auch schon alles erledigt – inklusiv der verlangten Autoversicherung. Nach einer Stunde heißt es für uns: Bienvenidos en Nicaragua!

Willkommen in Nica-Land!
Die Straße, auf der wir uns unserem ersten Ziel, dem Dörfchen Sunis in der Nähe von Somoto nähern, ist ziemlich verlassen. Kaum ein Auto fährt auf der gut asphaltierten Straße, die sogar über Fahrbahnbegrenzungsmarkierungen verfügt. Die hatten wir das letzte Mal in den USA gesehen. „Warum den guten Belag nicht für ein Fußballspiel nutzen?“, haben sich ein paar Jungs gedacht und kicken sich den Ball auf dem glatten Untergrund, der einzige weit und breit, munter zu. Nicaraguas Straßen sind in einem guten Zustand, was wir Vielfahrer natürlich sehr begrüßen. Trotzdem ist erstaunlich wenig los auf der Panamericana, die wir hier mal wieder kreuzen. Es gibt weniger KFZ als anderswo auf unserem Weg. Dafür sehen wir mehr natürliche Pferdestärken verkehren. Wer kein Auto hat reitet eben zum Einkaufen.

Die Tiere warten geduldig, bis ihre Besitzer vom Einkaufen zurück kommen
„Bessere Straßen, gleiches Müllproblem“, schießt es uns durch den Kopf, als wir unsere Blicke in die Landschaft schweifen lassen. Die Straßenränder liegen voller Plastiak. Während früher Abfall quasi aus kompostierbaren Materialien bestand, hat König Kunststoff in alle Winkel Einzug gehalten. Wie praktisch die Plastikflaschen und Tüten doch sind. Sie lassen sich so vielfältig (wieder-)verwenden und halten mehr aus als eine ausgehöhlte Kokosnuss, die als Trinkgefäß dient(e) oder ein paar Bananenblätter, die man als Teller benutzt(e). Gewohnt, diese Art Müll an Ort und Stelle zu entsorgen, fällt es den Latinos schwer von dieser Gewohnheit zu lassen. Versuche, zur Müllvermeidung zu erziehen, scheitern oftmals daran, dass es keine Mülleimer gibt, keine Müllabfuhr vorbeikommt und es sowieso viel einfacher ist, das ganze Zeug einfach im Garten zu verbrennen, zu vergraben oder auf eine wilde Müllkippe zu schütten (die wir übrigens in Ermangelung anderer Gelegenheiten manchmal auch nutzen müssen).

In Sunis, einem kleinen, verstaubten Dörfchen, das sich mit sog. Community Tourismus erste infrastrukturelle Einrichtungen (Strom gibt es seit kurzem, eine Wasserleitung befindet sich in Bau) verdient hat, dürfen wir direkt am Rio Coco parken. Nur das Schnauben der Pferde, die hier – übrigens auch nachts – unermüdlich verdorrte Grashalme aus der trockenen Erde rupfen ist zu hören, als wir uns unter einem grenzenlosen, klaren Sternenhimmel schlafen legen. Zum Frühstück am kommenden Morgen naht neuer Besuch. Eine Kuhherde trottet gemächlich an uns vorbei (mitunter ähneln die Stellplätze Ferien auf dem Bauernhof. Hühner und Hunde gibt’s sowieso zuhauf, Esel sind nicht selten, mitunter quiekt es im Gebüsch und Familie Schwein kündigt sich an). Ehe wir uns versehen tauchen auch schon die ersten Ausflügler an unserem Stellplatz auf, um den nahegelegenen Canyon per Boot zu erkunden. Genau das haben auch wir vor, allerdings haben wir uns für die eine andere Variante entscheiden.

Fausto, unseren Guide, treffen wir am Besucherzentrum. Um dorthin zu gelangen steht mal wieder eine Flussdurchquerung an, die wir bravourös meistern. Dabei werden wir sehr genau beobachtet. Es ist nämlich Waschtag. Gleich kiloweise wird die Wäsche von den Dorffrauen, die knietief im Fluss stehen, geschrubbt.

Am Besuchercenter präparieren wir uns mit festem Schuhwerk, einer Wasserflasche und trockener Kleidung zum Wechseln. Zunächst laufen wir durch die Umgebung von Sunis. Der Spaziergang verläuft eine halbe Stunde auf ebenem Grund, bevor es abwärts geht, wo wir uns allmählich dem Ursprung des Rio Coco, der hier den Canyon de Somoto geformt hat, nähern. Wir tauchen ein in die Welt der Schlucht, laufen am steinigen Flussufer entlang und die uns umgebenden Felswände werden immer höher und steiler. Als die Felsbrocken zu groß werden beginnen wir sie kletternderweise zu erklimmen. Vorneweg stets Fausto, der den Weg bestens kennt und genau weiß, wohin er treten muss bzw. kann, während wir immer wieder aus- und abrutschen, uns festhalten müssen, was an den glatt geschliffenen Felsen gar nicht so leicht ist. Da, wo die Felsen noch größer sind und wir sie auch nicht mehr kletternd meistern können, müssen wir ins Flussbett ausweichen. Teilweise stehen bis zu den Knien im kalten Wasser. Langsam waten wir voran, denn das Flussbett ist steinig, die Steine sind glitschig und bieten keinen Halt. Trotzdem das Wasser klar ist können wir den Untergrund nicht erkennen, wissen nicht, wohin wir treten, so dass wir auch hier immer wieder ins Straucheln geraten. Wir kreuzen den Fluss mal von rechts nach links, mal von links nach rechts. Nach ungefähr einer guten Stunde erreichen wir eine Stelle, von der aus wir uns nur noch schwimmend fortbewegen können. Also komplett rein ins kalte Nass und lospaddeln. Dank der Schwimmwesten ist es kein Problem sich auch mal ein paar Meter treiben zu lassen und das tolle Panorama zu genießen. Bis zu 160m hoch ragen die steilen Felswände um uns herauf auf. Die schmalste Stelle soll nur etwa 10 m messen und wird hier nur für ca. eine Stunde täglich von der Sonne beschienen. Das Wasser schimmert an manchen Stellen grün, Felsen hängen über und kleine Stromschnellen zwingen uns aus dem Wasser heraus, bevor wir wieder eintauchen müssen, um den Weg fortsetzen zu können. Als wir schon ziemlich ausgekühlt sind gelangen wir an eine 2 Meter hohe Stufe im Flussbett. Das Wasser bricht sich gurgelnd bahn, um unter uns einen schäumenden Strudel zu bilden. Bange schauen wir in die Tiefe, die nur aus weißem, sprudelnden Wasser besteht. Es gibt keine andere Möglichkeit als zu springen …

Nach diesem waghalsigen Manöver lassen wir uns von der Strömung weiter treiben. Inzwischen zittern wir, so sehr sind wir bereits ausgekühlt. Als wir nach 2 Stunden Canyon das Ruderboot erreichen, mit dem wir die letzten 500 Meter zurücklegen, sind wir froh über trockene Klamotten, die wir rasch anziehen, um uns anschließend in der Sonne wieder aufzuwärmen.

Das Abenteuer Canyon hat uns einige Kraft gekostet, so dass wir herzhaft Mittag halten, bevor wir nach Estelí und weiter in die Reserva Natural Miraflor weiterfahren.

In Estelí ziehen wir zunächst Geld am Bankautomaten der BAC. Dort treffen wir Dixon und Mario, die beiden Wächter.Während Dixon in dicken Zigarrenqualm eingehüllt ist (5 der estelischen Spezialität verpuffen so täglich und vertreiben ihm die Zeit seines langweiligen Jobs), erklärt uns Mario, dass man in Nicaragua sowohl mit US-Dollar als auch mit nicaraguanischen Cordobas bezahlen kann. Danach geht´s zum Supermarkt, wo wir uns mit Lebensmitteln eindecken.

Um in die Reserva hineinzufahren benötigen wir 1,5 Stunden für 13 Kilometer Schotterpiste vom allerfeinsten. Es dämmert bereits, als wir das Grundstück von Dora Iglesia erreichen, um dort unsere Nacht zu verbringen. Fast hätten wir es nicht erwartet sie überhaupt noch zu erreichen, zu einsam und abgeschieden liegt der kleine Ort Coyolito, der eigentlich gar kein richtiger Ort ist, sondern nur eine Ansammlung von ein paar Häusern. Froh, den Platz doch noch gefunden zu haben, „installieren“ wir uns, wie es hier so schön heißt. Das Zelt wird aufgeklappt, die Vorhänge zugezogen und als sich Rebecca dem Kühlschrank nähert, um für das Abendbrot zu decken, stockt ihr das Herz für einen Moment: zwei dunkle Knopfaugen starren sie an!

Auf dem Polster der Bank hockt ein Frosch, der uns wohl am Rio Coco ins Auto gehüpft sein muss. Schnell fangen wir ihn ein, um ihn nach draußen zu bugsieren. Na der wird sich wundern, wo er gelandet ist - so wie wir manchmal auch!



Mittwoch, 23. Februar 2011

La Tigra


Trotzdem wir uns fest vorgenommen hatten die Hauptstädte großräumig zu umfahren müssen wir durch Tegucigalpa einmal quer durch, um unser nächstes Ziel, den Nationalpark La Tigra, zu erreichen. Mangels Ausschilderung und einer wenig detaillierten Karte landen wir allerdings nicht dort, wo wir hin wollen, sondern finden uns am südöstlichen Stadtrand in einer Polizeikontrolle wieder. Bevor die Beamten auch nur ein Wort sagen können starten wir unser Ablenkungsmanöver, breiten großzügig das Kartenmaterial auf dem Lenker aus und fragen nach dem Weg. Es funktioniert. Die Papiere müssen warten, um schließlich durch die vielen Erläuterungen, die wir bekommen, komplett vergessen zu werden. Die Ordnungshüter geben sich sehr viel Mühe. Einer nach dem anderen gibt uns seine Beschreibung zum Besten. Bevor der dritte Beamte an die Reihe kommt und loslegt schwirrt uns schon der Kopf von den vielen „adelantes“, „más derechos“ und „doblas“. Aus reiner Höflichkeit nicken wir irgendwann nur noch und sind froh, als der dritte Polizist nach Stift und Papier fragt. Fortan werden die Beschreibungen durch eine Skizze veranschaulicht, was uns aufatmen und hoffen lässt, den Weg nach La Tigra doch noch zu finden. Der Polizist versichert sich mehrmals bei uns, ob wir auch ja alles verstanden haben, was wir mit eifrigem Nicken bejahen. „Bueno“, sagt er zum Schluss, verabschiedet uns per Handschlag, zückt seine Trillerpfeife, hält den Verkehr an, so dass wir gefahrlos auf der zweispurigen Straße wenden und seiner Zeichnung folgen können.


Die Skizze des Polizisten erweist sich ganze 15 Minuten lang als hilfreich, dann sehen wir uns erneut im dichten Verkehr der Hauptstadt wieder, wo wir abermals nach dem Weg fragen müssen. Einige weitere „más adelantes“ und „doblas“ folgen, dank derer wir schließlich bis zu einem Ort namens Valle de Angeles vordringen, wo laut unserer Karte die Straße endet. Resigniert halten wir an einem Restaurant. Innerlich sind wir bereits darauf eingestellt hier die Nacht zu verbringen und fragen leise bei einem Mann an, der gerade aus dem Gebäude kommt, ob das auf dem Parkplatz vor dem Lokal denn möglich wäre. Wir berichten von unserer Odyssee, klagen unser Leid über fehlende Ausschilderungen und hoffen ganz nebenbei auf einen Stellplatz. Unserer Bitte nach einer Übernachtungsmöglichkeit wird nicht stattgegeben, dafür wird uns versichert, dass es sehr wohl eine Straße von Valle de Angeles zum Nationalpark gäbe. Unser Gegenüber bittet um Papier und Stift, so dass wir nach ein paar Minuten Skizze Nr. 2 in Händen halten. Eine Viertelstunde später erreichen wir den kleinen Ort San Juancito, der sich am Fuße von La Tigra befindet. „Na also, geht doch“, denken wir, als wir auf die Dorfmitte zu fahren. San Juancito, von Hurrikan Mitch arg in Mitleidenschaft gezogen, war einstmals ein bedeutender Minenort, genauso wie das heute größtenteils verlassene El Rosario, das sich oberhalb von uns befindet und wo wir eine Idee für einen Stellplatz haben. Die Sandpiste ist z.T. stark ausgefahren. Große Bodendellen, noch weich vom letzten Regen, machen es uns nicht leicht den Berg hinauf zu kommen. Trotz 4x4 schalten wir in den Geländegang und Landy zieht uns langsam in die Höhe. Dann und wann steigen wir aus, um die Durchfahrtshöhe der herabhängenden Äste zu prüfen. Wäre blöd, wenn wir an einem dicken Ast hängenblieben und uns ein Loch in die Dachbox reißen würden. Eine halbe Stunde benötigen wir, um das Bergdorf zu erreichen.


Hier stehen die z.T. verlassenen Holzhäuser der einstigen Arbeiter, die in den Minen schufteten. Die Häuser sind umgeben von kleinen Gärten, in denen es grünt uns blüht. El Rosario wird auch als Geisterstadt bezeichnet, doch ganz so tot ist es nicht, wie die Menschen beweisen, die neugierig unseren Weg verfolgen. Wir steuern den Mirador El Rosario an. Er wird von dem deutschen Paar Monika und Jörg, die es vor 12 Jahren hierher verschlug, geführt. Mitten am steilen Hang mit einem atemberaubenden Blick über das Tal haben sie sich ihr schönes Refugium geschaffen. Zwei Cabanas stehen für Gäste bereit, Marmelade, Brot und Wein – selbstgemacht – werden zum Kauf angeboten. Wir schlagen zu, stocken unsere Vorräte auf und weil das Brot so köstlich ist bitten wir Jörg uns noch eines nachzubacken, was er gerne tut.


Der Naturpark selbst ist ein kleines Wanderparadies. Mitten durch den Bergnebelwald führen die Pfade bis auf über 2000 Meter Höhe und erlauben immer wieder schöne Fern- und Aussichten in die Umgebung. Ein klein wenig werden wir an unseren Wanderurlaub in den Schweizer Alpen erinnert. Wir genießen unseren, wenn auch nur kurzen Aufenthalt in La Tigra, der in einen gemütlichen Abend bei indischem Essen im Hause unserer Gastgeber mündet.

Erkenntnis: Es sind nicht immer die Superlative, die einen Aufenthalt unvergesslich machen.

Telenerema, Canal 22


Plaza Mayor in Comayagua
"Ui, was ist denn das? Etwa ein gläsernes Studio wie in Hamburg“?, fragen wir uns, als wir neugierig näher treten. Durch eine Glasscheibe sehen wir Mikrofone, ein hellblaues, altertümliches Telefon, eine Frau, die offenbar in eines der Mikros spricht und einen Mann, der aufgeregt von seinem Stuhl aufspringt, als er uns sieht und uns winkt hereinzukommen.

Denis Martinez
Bereitwillig folgen wir der Aufforderung. Wir treten in die, nur von Kameras observierte, Eingangshalle. Weit und breit ist kein Wachmann zu sehen, was ziemlich ungewöhnlich für Honduras ist. Normalerweise steht vor jedem noch so kleinen Supermarkt, vor jeder Apotheke ein bewaffneter Wächter, fahren auf jedem Cola- und Wassertransporter Bewaffnete mit, um die kostbare Fracht zu schützen. Wir fragen bei Denis, der uns so freundlich hereingewunken hat, nach. Er versichert uns, in einer Stadt wie Comayagua seien Wächter nicht notwendig. „Alles sano hier“, also sicher, wie er meint. Die Nachbarschaft funktioniere gut, man würde einander vertrauen. Das kennen wir schon. Die Verbrechen finden immer woanders statt. Die Restaurantbesitzer ein paar Häuser weiter sehen das offenbar anders. An der Tür hängt ein Schild, auf dem darauf hingewiesen wird, dass aus Sicherheitsgründen sämtliche Aktivitäten innerhalb- und außerhalb des Lokals aufgezeichnet werden würden. Außerdem ist es verboten, Waffen mitzubringen. Wir unterhalten uns eine ganze Weile mit Denis. Irgendwie sind die Rollen vertauscht, denn eigentlich ist ja er es, der berufsmäßig Leute interviewt. Doch heute muss er Rede und Antwort stehen. Vor allem interessiert uns die Sicherheitslage, denn noch immer wissen wir nicht, für wie gefährlich wir Lateinamerika halten sollen. Also fragen wir ein bisschen weiter zur Sicherheitslage der Nation. Denis Martinez, der uns so freundlich hereingebeten hat und Sohn der Sendereigentümer ist, gibt uns ein paar Infos, die sehr interessant sind:

Eingang zum Restaurant: Waffen verboten; Gespräche werden aufgezeichnet ...
Laut seiner Aussage ist die honduranische Polizei manchmal selbst in Verbrechen - sogar Entführungen - verstrickt. Wenn Journalisten solche Fälle aufdecken und darüber berichten würde das zwar allgemein zur Kenntnis genommen, nicht aber weiterverfolgt werden, weshalb es für Journalisten in Honduras nicht gefährlicher sei als für andere Berufsgruppen. Sollten doch einmal Opfer zu beklagen sein, dann nur deshalb, weil sich die Kollegen der schreibenden Zunft zufällig im „Kreuzfeuer“ befunden hätten. „Manche haben eben Glück und andere Pech“, meint Denis lakonisch.

Das gläserne Studio gehört zu Telenerema, einem Lokalsender, der auf Canal 22 sendet. Hier wird Radio und Fernsehen gemacht, auch eine Zeitung gehört dazu und wir erhalten eine kostenlose Hausführung durch alle Einrichtungen. Die beiden Jungmoderatoren Daniel und Emerson sind noch nicht mal volljährig, stehen aber schon in Lohn und Brot bei Telenerema. Sie haben gerade mal die Schule hinter sich und würden bei uns als Quereinsteiger bezeichnet werden. Ihren Job haben sie sich aufgrund ihres Interesses für Musik und ihrer guten Stimmen ergattert. Eine Ausbildung im klassischen Sinn, wie wir sie kennen, gibt es weder für Radiomoderatoren noch für andere Berufe. Man wird halt das, was man kann, glaubt zu können oder weil man jemanden kennt, der einen beschäftigt. So einfach ist das.

Wir erleben live mit, wie hier Musik über den Äther geschickt wird, welche Hörerkommentare reinkommen und welcher Film gerade ausgestrahlt wird. Während es im Moderatorenraum ausgesprochen ruhig zu geht ist es im Gang davor ziemlich hektisch, denn gleich beginnt die Nachrichtensendung.

Die einzelnen Senderäume sind vollgestopft mit Technik. Zahlreiche Monitore stehen in Regalen über- und nebeneinander, Kabel ziehen sich quer durch die Räume, irgendwo klingelt ein Telefon. Denis, der ja an sich im Dienst ist, springt immer wieder mal schnell an seinen Arbeitsplatz zurück, um ein paar Regler zu verschieben und die Tonqualität zu optimieren, um sich dann wieder uns zu widmen. Hier kommt nichts aus der Konserve. Entsprechend hektisch geht es zu.

Der grüne Gartenschlauch



Eines fällt in Honduras bereits nach sehr kurzer Zeit auf: die Menschen nehmen uns noch staunender wahr als anderswo, vielen bleibt buchstäblich der Mund offen stehen, wenn wir vorbeifahren. Sie halten wie paralysiert für eine Sekunde in ihren Bewegungen inne. Es ist, als ob wir vom Mars kämen, grüne Gesichter hätten und Antennen auf dem Kopf. Das hält uns nicht davon ab fröhlich zu winken und siehe da, die Starre löst sich, wir ernten Lachen und niemand scheut sich unseren Gruß zu erwidern. Ein Lächeln ist doch manchmal Gold wert!



Außerdem sind Honduraner außergewöhnlich hilfsbereit und – wenn man erstmal auf sie zugegangen ist – offene Menschen. Manchmal geht die Hilfsbereitschaft soweit, dass jemand keine Zeit mit langen Erklärungen vertrödelt, sondern uns kurzerhand quer durch die Stadt vorausfahrend zum gesuchten Ziel bringt. In Acht nehmen muss man sich hier allerdings, wie auch schon in den übrigen Ländern Lateinamerikas, vor „fliegendem Wasser“. Es wird nämlich sehr häufig recht intensiv das Heim geputzt, wobei sehr viel Wasser benutzt wird. Um das Schmutzwasser dann wieder loszuwerden wird es – ohne Ankündigung - in hohem Bogen vor die Haustür geschüttet. Wehe dem, der in diesem Moment vorbeikommt.
Erfahrungen mit Wasser kann man auch machen, wenn man sich an der Karibikküste von Honduras aufhält.
Strand, Sonne, Palmen, türkisfarbenes Meer, Cocktails schlürfen, Sonnenuntergang angucken – alles möglich in Tela, dem Badeort des Landes. Also nichts wie hin und gleich noch ein paar Tage bleiben, weil´s so schön ist. Obdach gewährt uns das Pelican Resort, ein Aqua Park inmitten eines tropischen Gartens direkt am Strand. Perfekt! Unsere „Gastgeber“ helfen noch schnell, einen geeigneten Stellplatz auf dem großen Gelände zu finden und wir beschließen, uns das karibische Meer gleich mal aus der Nähe anzusehen. Doch was ist das? Dicke graue Wolken brauen sich über uns zusammen. Es ist sehr windig und auch gar nicht mehr so warm wie bei der Ankunft. Das Wasser, das eben noch türkis schimmerte, ist nun aufgewühlt grau und erinnert stark an die heimische Ostsee. Dafür also sind wir mehr als 20.000 km gefahren! Na, super. So hatten wir uns das nicht gedacht, so dass wir einigermaßen enttäuscht sind. Die Enttäuschung nimmt weiter zu, als wir uns nach den Duschen erkundigen. 5 sind vorhanden und alle 5 sind „gerade kaputt“. „Ach“, heißt es, „nehmt doch den grünen Gartenschlauch. Der liegt da drüben“. Obwohl wir nach 7 Monaten Reise bereits einiges gewohnt sind, machen uns solche Aussagen nach wie vor perplex. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als den Schlauch, aus dem ein dünner Bindfaden Wassers rinnt, zum Duschen zu benutzen. Beäugt von drei neugierigen Hunden und durch eine Bananenpalme dürftig vor Blicken geschützt, starten wir unser Duschabenteuer. Wer kommt bei einem Aqua Park schon auf die Idee beim Check-In nach einer Dusche zu fragen? Wir demnächst schon. „Immerhin, es gibt einen Gartenschlauch“, trösten wir uns.


„Na, hoffen wir mal, dass es nicht regnet“, denken wir, als wir am Abend einen kritischen Blick Richtung Himmelszelt werfen. Kein Stern ist zu erkennen; der Himmel bedeckt. Mit einem unguten Gefühl schlüpfen wir ins Zelt. Gegen Morgen scheinen sich sämtliche Schleusen des karibischen Himmels zu öffnen. Es prasselt nur so. Innerhalb weniger Minuten bildet sich eine teichgroße Pfütze um den Landy, in der unsere FlipFlops schaukeln. Die hatten wir am Abend zuvor vor dem Wagen ausgezogen und als der Regen kam schwammen sie davon, befinden sich nun gute 30 Meter von uns entfernt. Wir harren 2 Stunden aus, bevor wir es wagen nach unten zu klettern. Tropfnass erreichen wir das Wageninnere. Zu allem Überfluss sind die Toiletten gute 50 Meter entfernt und nur einigermaßen trocken in den kurzen Regenpausen zu erreichen. Als das Wetter auch nach 3 Tagen keine Besserung verspricht beschließen wir die Karibik Karibik sein zu lassen und wenden uns wieder dem Inland zu. Da ist es ja auch ganz schön, vor allem so grün.


Fazit: Es kommt immer alles anders als man denkt.