Aktueller Standort

Aktueller Standort seit 07. Mai 2011: Wedel und Hamburg, Deutschland

Mittwoch, 23. Februar 2011

Telenerema, Canal 22


Plaza Mayor in Comayagua
"Ui, was ist denn das? Etwa ein gläsernes Studio wie in Hamburg“?, fragen wir uns, als wir neugierig näher treten. Durch eine Glasscheibe sehen wir Mikrofone, ein hellblaues, altertümliches Telefon, eine Frau, die offenbar in eines der Mikros spricht und einen Mann, der aufgeregt von seinem Stuhl aufspringt, als er uns sieht und uns winkt hereinzukommen.

Denis Martinez
Bereitwillig folgen wir der Aufforderung. Wir treten in die, nur von Kameras observierte, Eingangshalle. Weit und breit ist kein Wachmann zu sehen, was ziemlich ungewöhnlich für Honduras ist. Normalerweise steht vor jedem noch so kleinen Supermarkt, vor jeder Apotheke ein bewaffneter Wächter, fahren auf jedem Cola- und Wassertransporter Bewaffnete mit, um die kostbare Fracht zu schützen. Wir fragen bei Denis, der uns so freundlich hereingewunken hat, nach. Er versichert uns, in einer Stadt wie Comayagua seien Wächter nicht notwendig. „Alles sano hier“, also sicher, wie er meint. Die Nachbarschaft funktioniere gut, man würde einander vertrauen. Das kennen wir schon. Die Verbrechen finden immer woanders statt. Die Restaurantbesitzer ein paar Häuser weiter sehen das offenbar anders. An der Tür hängt ein Schild, auf dem darauf hingewiesen wird, dass aus Sicherheitsgründen sämtliche Aktivitäten innerhalb- und außerhalb des Lokals aufgezeichnet werden würden. Außerdem ist es verboten, Waffen mitzubringen. Wir unterhalten uns eine ganze Weile mit Denis. Irgendwie sind die Rollen vertauscht, denn eigentlich ist ja er es, der berufsmäßig Leute interviewt. Doch heute muss er Rede und Antwort stehen. Vor allem interessiert uns die Sicherheitslage, denn noch immer wissen wir nicht, für wie gefährlich wir Lateinamerika halten sollen. Also fragen wir ein bisschen weiter zur Sicherheitslage der Nation. Denis Martinez, der uns so freundlich hereingebeten hat und Sohn der Sendereigentümer ist, gibt uns ein paar Infos, die sehr interessant sind:

Eingang zum Restaurant: Waffen verboten; Gespräche werden aufgezeichnet ...
Laut seiner Aussage ist die honduranische Polizei manchmal selbst in Verbrechen - sogar Entführungen - verstrickt. Wenn Journalisten solche Fälle aufdecken und darüber berichten würde das zwar allgemein zur Kenntnis genommen, nicht aber weiterverfolgt werden, weshalb es für Journalisten in Honduras nicht gefährlicher sei als für andere Berufsgruppen. Sollten doch einmal Opfer zu beklagen sein, dann nur deshalb, weil sich die Kollegen der schreibenden Zunft zufällig im „Kreuzfeuer“ befunden hätten. „Manche haben eben Glück und andere Pech“, meint Denis lakonisch.

Das gläserne Studio gehört zu Telenerema, einem Lokalsender, der auf Canal 22 sendet. Hier wird Radio und Fernsehen gemacht, auch eine Zeitung gehört dazu und wir erhalten eine kostenlose Hausführung durch alle Einrichtungen. Die beiden Jungmoderatoren Daniel und Emerson sind noch nicht mal volljährig, stehen aber schon in Lohn und Brot bei Telenerema. Sie haben gerade mal die Schule hinter sich und würden bei uns als Quereinsteiger bezeichnet werden. Ihren Job haben sie sich aufgrund ihres Interesses für Musik und ihrer guten Stimmen ergattert. Eine Ausbildung im klassischen Sinn, wie wir sie kennen, gibt es weder für Radiomoderatoren noch für andere Berufe. Man wird halt das, was man kann, glaubt zu können oder weil man jemanden kennt, der einen beschäftigt. So einfach ist das.

Wir erleben live mit, wie hier Musik über den Äther geschickt wird, welche Hörerkommentare reinkommen und welcher Film gerade ausgestrahlt wird. Während es im Moderatorenraum ausgesprochen ruhig zu geht ist es im Gang davor ziemlich hektisch, denn gleich beginnt die Nachrichtensendung.

Die einzelnen Senderäume sind vollgestopft mit Technik. Zahlreiche Monitore stehen in Regalen über- und nebeneinander, Kabel ziehen sich quer durch die Räume, irgendwo klingelt ein Telefon. Denis, der ja an sich im Dienst ist, springt immer wieder mal schnell an seinen Arbeitsplatz zurück, um ein paar Regler zu verschieben und die Tonqualität zu optimieren, um sich dann wieder uns zu widmen. Hier kommt nichts aus der Konserve. Entsprechend hektisch geht es zu.

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